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Giardien - kein Grund zur Panik

Giardien, ein einzelliger Darmparasit, der sowohl den Menschen als auch viele Tierarten befallen kann. Bei Jungtieren und ganz allgemein bei immungeschwächten oder anderweitig erkrankten Individuen können Giardien relativ heftige Durchfälle auslösen. Die Behandlung kann sich hartnäckig gestalten. Woher genau die Giardien kommen, weißt du fast nie, denn die Zeit bis zu den ersten Symptomen (Inkubationszeit) beträgt 7 bis 21 Tage.

Wer sich regelmäßig in Diskussionsforen oder Facebook-Gruppen herumtreibt, kann den Eindruck bekommen, dass die Giardien auf dem Weg dazu sind, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Eine Hysterie, über die man nur noch den Kopf schütteln kann.

 

Es ist paradox ! Versucht man als Züchter die völlig überzogene Giardien-Hysterie durch nüchterne Aufklärung ein wenig einzudämmen, wird einem schnell der Vorwurf der Verharmlosung eines gigantischen und für Millionen von Haustieren lebensgefährlichen Problems um die Ohren gehauen.

 

Wer ist eigentlich mit daran schuld, diese angeblich neue, in Wahrheit aber uralte Parasitenform durchs Dorf zu treiben? Das ist für mich immer wieder erschreckend mit zu bekommen, dass viele Tierärzte daran beteiligt sind. Es ist ja durchaus positiv zu sehen, dass heute durch Schnelltests, innerhalb von Minuten sehr zuverlässig herauszufinden ist, ob sich in einer Kotprobe Giardien-Material befindet, denn dadurch kann vielen Durchfallpatienten, bei denen man früher therapeutisch ratlos war, schnell und zielgerichtet geholfen werden. Es wird aber auch hier ganz sicher viel zu viel getestet und demzufolge auch viel zu viel therapiert. Um die  Notwendigkeit von Test und Therapie zu verdeutlichen, greifen einige Tierärzte zu etwas drastischen Risikobeschreibungen, die durchaus dazu geeignet sein können, beim Tierhalter ein gewisses Maß an Angst aufkommen zu lassen.

 

Geschätzt erkranken pro Jahr mindestens 200 Millionen Menschen an Giardiasis.  Giardien sind Mistviecher! Sie sind definitiv schon viel länger auf der Welt als der Mensch und alle seine Haustiere und dementsprechend zäh und anpassungsfähig. Aber auch hier gilt wieder: Eine symptomatische Erkrankung bekommen nur sehr wenige von denen, die sich mit Giardien infizieren. 


Giardien sind allgegenwärtig. Heute finden wir sie nur leichter als früher. Es macht dementsprechend keinen Sinn, wild in der Gegend rumzutesten und rumzutherapieren. Wer viel misst, misst viel Mist! 

Die Zysten des Parasiten bleiben in der Umwelt wochenlang infektiös. Ein Kothaufen ist dann mit dem bloßen Auge schon lange nicht mehr als solcher erkennbar. Der Hund kann ihn trotzdem noch riechen und tut das auch. Oder er läuft einfach durch und schleckt sich nach dem Spaziergang die Pfoten sauber, und schon ist es passiert. In einem Kothaufen können sich Millionen von Zysten befinden, für eine Infektion reichen angeblich bereits zehn davon. Über den weiteren Verlauf entscheidet dann das Immunsystem, und das ist meist ganz gut drauf, denn sonst wären wir alle schon lange mit einer kollektiven Riesen-Scheißerei aus dieser Welt abgetreten.

 

In welchen Fällen testen wir denn nun auf Giardien? In erster Linie natürlich dann, wenn der Patient Symptome zeigt, die zumindest für eine Beteiligung von Giardien am Krankheitsgeschehen sprechen, also bei heftigem, eventuell gar blutigem und länger anhaltendem oder längerfristig immer wieder auftretendem Durchfall. 

 

Was sollte das Ziel der Behandlung sein? In erster Linie Symptomfreiheit, in zweiter Linie eine Elimination des Erregers aus dem Körper des Patienten und aus seiner Umgebung. Aber da geraten wir dann schon in einen Bereich, in dem wir uns eventuell Illusionen machen. Es muss die Frage erlaubt sein, ob dieses Ziel überhaupt realistisch ist. Die für eine effektive Umgebungsdesinfektion nötigen Wirkstoffe sind in Wohnbereichen eigentlich nicht wirklich flächendeckend anwendbar. Auch die gern empfohlene Verwendung von Dampfreinigern, die Dampf mit einer Temperatur von über 60°C erzeugen sollen, wirft Fragen auf. Viele Wohntextilien, Holzfurniere und Parkettböden werden wohl auf so heißen Dampf ziemlich ungehalten reagieren. Dennoch sollte Hygiene nicht vernachlässigt werden. wäre. Das möglichst sorgfältige Entfernen von Kot aus der Umwelt, im eigenen Garten eventuell sogar das Übergießen der betreffenden Stelle mit kochendem Wasser und das regelmäßige Baden der Patienten zur Entfernung von im Fell haftenden Zysten macht auf jeden Fall Sinn.


Wie wird nun behandelt? Inzwischen wurde mit dem Präparat Metrobactin der Wirkstoff Metronidazol für die Behandlung eines Giardienbefalls sowohl beim Hund als auch bei der Katze neu zugelassen. Der Tierarzt hat jetzt also im Rahmen der gesetzlichen Regelungen die Wahl zwischen Fenbendazol (Panacur)und Metronidazol (oder auch einer Kombinationstherapie mit beiden Wirkstoffen).

 

Ich hoffe sehr, dass Ihnen dieser Text nun verdeutlicht hat dass es keinen Grund zur Panik gibt, wenn bei Ihrem Tier Giardien festgestellt wurden !